Should I stay or should I go…

“Wie seid Ihr denn auf die Idee gekommen”, „Kann man da derzeit hinfahren“ oder „Jordanien??“ waren die normalen, spontanen Reaktionen auf unser kommendes Reiseziel. „Das könnt ihr nicht machen. Ihr seid für die Kinder verantwortlich!“ die klare Meinung der Schwiegermutter, die auch gleich versuchte, noch die restliche Verwandtschaft dazu aufzustacheln, uns von unserem Vorhaben abzubringen.

Seit unserem damaligen Versuch, im dritten Schwangerschaftsmonat von Anouchka nach Mexiko zu reisen, der im Anrufhagel der Verwandtschaft endete (und dann im 4. Monat nachgeholt wurde), traut uns scheinbar die liebe Verwandtschaft mittlerweile deutlich mehr Eigenverantwortung zu. Die entsprechenden Anrufe kamen nämlich diesmal nicht – was hoffentlich nicht daran liegt, dass wir der Verwandtschaft inzwischen völlig egal sind!

Wie auch immer, die Schwiegermutter hat ja auch Recht. Am 29.09. kam ein dringender regionaler Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amtes für Jordanien und wir hatten uns schon selbst ernsthafte Gedanken gemacht, ob wir die Reise tatsächlich machen sollten.

Wie hoch ist das wirkliche Risiko, entführt, von einer Bombe zerfetzt oder enthauptet zu werden? Wissen wir und auch kein anderer auf der Welt, aber das Risiko hinterlässt ein dumpfes, unschönes Gefühl. Ja, jeder Griff zum Smartphone auf der Autobahn ist sicherlich deutlich gefährlicher, auch jedes Kilogramm Übergewicht, um einen Herz-Kreislauf Tod zu bekommen. Im Haushalt auf der Leiter und auf Treppen sowieso lauert die Gefahr auf jeder Stufe! Aber irgendwie hat man sich daran gewöhnt, sich arrangiert, es verdrängt. Aber diese Terrorgefahren in einem fremden Land verhalten sich wie die Gefahren im Flugzeug, man ist ihnen hilflos ausgesetzt, kann sie nicht einschätzen, ist nicht Herr der Lage. Angst entsteht!

Die Frage war also mehr, ob wir in Jordanien unbeschwert herumreisen können oder einem die unterschwellige Angst den Spaß verdirbt.

Nach ein, zwei Tagen dicht an der Aufgabe unserer Reisepläne, sind wir nun aber guter Dinge und freuen uns auf das Land. Dazu passt die Reaktion, die ich heute im Fahrstuhl bekam: „Nach Jordanien? Mein Vater kommt daher. Ein tolles Land! Viel Spaß!“

 

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