Hilfe, Verasiatung setzt ein!

Die Verasiatung kann vielfältige Ausprägungen aufweisen, jedoch sind sich die Asiologen einig, dass eine Verasiatung zumindest dann vorliegt, wenn folgende Merkmale festgestellt werden können:

1) Nutzung der örtlichen Nahverkehrsmittel

Mit der Pferdekutsche zum Hotel. In Meiktila gehört das noch zum normalen Stadtbild

Zum Mandalayhill per Mofataxi. Jakob hat sich das Mofafahren nun zugetraut und fand es super! Wir auch!!

2) Shan-Nudeln zum Frühstück bestellen und mit Eßstäbchen “bewältigen”.

3) Erlernung des örtlichen Handwerks

Aaron hat eine Ausbildung in einem der Tea Stalls aufgenommen.

Jakob lernt das Anfertigen von Holz-Buddhafiguren.

Als Zweitjob hält die Jungs das Polieren der Marmorbuddhas über Wasser

Rolf verliert sein Gesicht

(aber nicht den Kopf)

Myanmar entpuppt sich als das, was sich schon in den ersten zwei Tagen andeutete. Auf der einen Seite die enorme Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Einwohner. Spontan sich freuende, uns zuwinkend und zulächelnde Menschen, wenn wir vorbei kommen. Klemmt das Fahrradschloß ist sofort jemand da, der aus reiner Freundlichkeit hilft. Fragen nach dem richtigen Weg, werden trotz größter Verständigungsschwierigkeiten mit viel Eifer und Freude am Helfen beantwortet. Den Kindern werden im Bus Bonbons, Mandarinen oder andere Kleinigkeiten geschenkt.
Auf der anderen Seite all diejenigen, die mit Touristen ihr Geld verdienen wollen. Zwar war auch Rolf klar, dass nicht mehr wie vor 11 Jahren diese „naive“ Freude über Fremde im Vordergrund stehen würde, aber dass Geld so schnell die eigentlich so höchstanständigen Burmesen verderben würde, ist unerwartet. Gnadenlos wird am Busticketschalter über die möglichen Routen gelogen, nur um eigene Tickets für überzogene Preise verlangen zu können, Essenspreise am Straßenrand erhöhen sich plötzlich um 50% ggü dem zuvor erfragten, weil ja noch irgendeine Zutat extra hinzugefügt worden sei. Aus abgesprochenen 7 $ werden 7000 Kyat (20% Aufschlag), die doch vereinbart gewesen wären. Alle Reisende klagen über das bei den Übernachtungen vorherrschende ganz miese Preis-Leistungsverhältnis.

$ 20 für dieses Zimmer an der lauten Straße ist ein Schnäppchen für asiatische Verhältnisse…
Natürlich müssen in ganz Asien ständig Preise verhandelt werden und Westler zahlen immer einen gewissen Aufschlag. Das ist schon ok! Aber in diesem Ausmaß wie in Myanmar, haben wir es noch nicht erlebt. Als wir kürzlich müde und staubig von einer Radtour ins Hotel zurückkehrten, der Hotelwirt uns mit dem Worten „You must still pay room“ begrüßte und er dann auch noch den zuvor mühsam ausgehandelten Fahrradpreis mit einem fadenscheinigen Grund verdoppelte, war es mit Rolfs Geduld vorbei. So etwas gehört sich in Asien zwar überhaupt nicht

und Rolf ist auch alles andere als Stolz darauf, aber der ganze Ärger über diese ständige Abzocke machte sich so breit, dass er sich in einen laut fluchenden, wild gestikulierender Monolog über diese Touristenabzocke der doch eigentlich so netten Burmesen hineinsteigerte. Entsetzt und peinlich berührt verfolgten die vielen umstehenden Burmesen den Vortrag, von dem sie wohl kaum etwas verstanden, aber klar war, dass dieser Touri unzweifelhaft so echt richtig sauer war. Wir bekamen die Räder für den richtigen Preis, aber der zuvor so wunderbare Reisetag (Endlich! Die Kinder haben Radfahren mitgemacht!!) war eingetrübt.

Ursachen dieses Wandels? Zum einen hat der Tourismus in den vergangenen drei Jahren so angezogen, dass die Hotelinfrastruktur nicht ganz mitgekommen ist und somit kein ausreichender Wettbewerb herrscht. Zudem müssen sich die Hoteliers einig sein: von den Touris verlangen wir einfach das Doppelte, wir halten die Preise hoch.
Dazu kommt sicherlich auch, dass das Land nicht von echten Backpackern erschlossen wurde, sondern schon damals (wie heute) viele All-Inklusive Reisegruppen auf den 5* Flusskreuzfahrtschiffen unterwegs sind oder in den vielfach vorhandenen edlen Resorts unterkommen. Ohne Gefühl und Ahnung vom örtlichen Preisniveau, zahlen diese anstandslos absurde Preise. Das hat sich wohl schnell rum gesprochen und im Goldrauschfieber will nun jeder seinen Claim bei diesen scheinbar steinreichen und strohdoofen Touristen abstecken.
Hilft das Aufregen darüber? Nein, ganz im Gegenteil! Es trübt nur unnötig die Reisefreuden ein, die wir in diesem weiterhin so wunderbaren Land mit seinen – bis auf oben genannten Ausnahmen – so warmherzigen und gastfreundschaftlichen Menschen machen dürfen. Also Vergangenheit ausblenden und Gegenwart akzeptieren (das fällt Rolf sehr schwer…). Das Land bietet so viel:

Goldene, hochheilige Felsen

Mönche und Buddhas in allen Größen

Die geschickten Fischer von Inle See

und das von uns so geschätzte, sehr leckere Straßenessen. Aber kaum etwas kann gegen Pixibuch lesen im Bett ankommen!

Tschüß Thailand, Willkommen Myanmar!

Day 1: Und was für ein Willkommen! Die Menschen hier sind noch einmal ein ganzes Stück herzlicher in ihrer Freundlichkeit als die Thais außerhalb von Bangkok und noch kindervernarrter. Uns als Familie mit 3 kleinen Kindern schlägt also eine enorm herzliche Welle der Freundlichkeit entgegen, wenn wir über die Straßen von Yangon gehen. Unzählige Straßenstände und viele Menschen auf engen Gehwegen machen zwar auch hier das Herumgehen spannend und etwas anstrengend, aber die Stimmung ist irgendwie entspannter als in Indien oder Thailand. Fast jeder scheint sich zu freuen, dass er uns sieht und vor allen Dingen, wenn wir irgendwo an einem Straßenstand das lokale Essen ausprobieren. Einen Nachteil hat das Ganze aber: sehr viele Menschen wollen die Kinder anfassen. Zum Glück haben die sich schon etwas daran gewöhnt, aber gerade wenn Thea auch noch hochgehoben werden soll, gibt’s doch leider regelmäßig Geheule.

Rolf hatte ja nach seinen so positiven Erfahren vor 11 Jahren seine Bedenken, ob auch heute noch den nunmehr so viel, viel mehr gewordenen Touristen diese tolle Freundlichkeit entgegengebracht wird. Wahrscheinlich ist das auch nicht mehr so, aber aufgrund der Kinder spüren wir davon gar nichts. Ganz im Gegenteil! So kann es gerne weitergehen.

 

Day 2: So ging es aber leider absolut nicht weiter! Als erstes hatten wir einen dramatischen Versuch, auf dem Schwarzmarkt Geld zu tauschen. Obwohl wir gewarnt worden waren, haben die es geschafft, einen 100,-€ Schein von uns verschwinden zu lassen. Rolf griff drauf hin zu den schon abgezählten Kyat Scheinen (ein dicker Packen), es wurde laut, die Kinder sprangen ebenfalls von den Hockern auf und schrien, es gab ein Gerangel um diesen Packen, viele Passanten blieben zum Glück stehen und schließlich bekamen wir den 100,-€ Schein plötzlich wieder und die Betrüger machten sich mit ihrem dicken Packen Kyat Scheinen schnell davon. Da war Adrenalin angesagt! Danach dann der Versuch, an Bustickets zu kommen. Völlig überteuert! Man hat leider den Eindruck, dass nunmehr die Touris als dumme Melkkühe angesehen werden. Da man als Touri aber keine Ahnung von den wirklichen Preisen und Fahrmöglichkeiten hat, steht man regelmäßig auf verlorenem Posten. Würgen würde man die gerne dafür, aber kann es einfach nicht!! Shit, die lassen uns bluten und lächeln dabei noch!!

Nun denn, der weitere Tag wurde sehr versöhnlich, denn wir besuchten einen Mönch, den wir am Vortag getroffen hatten, in seinem Kloster und mit ihm gemeinsam verbrachten wir den weiteren Tag und er zeigte uns auch die hochheilige Shwedagon Pagode.

Mit Kindern und Mönch an der Seite hatten wir noch mehr Lächeln und Sympathie auf unserer Seite, die Preise stimmten fortan alle und wir hatten keine Probleme, in Chinatown Bestellungen inkl. Sonderwünsche zu machen… Ein sehr netter Mensch. Sehr versöhnlich nach diesem schlechten Vormittag.

 

PS Noch genießen wir „free WiFi“ in der Hotellobby! Aus der Funkstille im Block wurde also nichts. Mal gucken, ob die enorme Modernität, die hier seit Rolfs letztem Besuch Einzug gehalten hat, auch den Rest des Landes ergriffen hat.

Gegendarstellung

Khao San Road ist zum Glück nicht Thailand! Wenn täglich unzählige neue Urlauber in diese Gegend einfallen, um Muskelshirt bekleidet mehr oder weniger Bier zu trinken und sich mehr oder weniger freundlich zu verhalten, dann muss man wohl für die Unfreundlichkeit in dieser „Sonderzone“ auch etwas Verständnis haben. Kaum ist man aus dieser Gegend raus, wird es schon deutlich freundlicher und hat man Bangkok erst den Rücken gekehrt, erfährt man wieder diese besonders tolle Art der Freundlichkeit, die die Thais auszeichnet. Als Familie erleben wir darüber hinaus die ausgesprochen große Kinderfreundlichkeit der Thais. Dieses geht vom Empfangen mit einem Lächeln über diesen Kindervernarrtheit-Blick in den Augen zu einem immer und sofortigem Anbieten von Plätze für die Kinder in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Extrem wohlerzogen diese Thailänder!

Auch ist Bangkok nicht wirklich langweilig. Gerade die schlechten Englischkenntnisse der Thais machen viele Dinge besonders interessant. Mit Händen und Füssen das richtige Essen inkl. Kindersonderwünsche am Straßenrand in China Town zu bestellen.

Ob man wohl dem Friseur die richtige Frisur beschrieben hat? (zack, da waren die Koteletten ab!).

Mal so richtig auf ein großen Gong schlagen dürfen ist ebenso spannend,

wie einem Loewen ins Maul zu fassen

oder eine Schlange zu streicheln.

Das Aufsammeln der Spendenmünzen im Tempel sollte unser Hotelzimmer finanzieren.

Reichte aber leider nicht aus…

Obwohl deutlich in Richtung Singapur driftend, bietet Bangkok also immer noch eine riesige Bandbreite des Lebens an und steckt voller Abenteuer.

Es tut uns also leid, dass wir die Thais und Bangkok im vorherigen Artikel so schlecht dargestellt haben, aber so war nun mal unser Eindruck des ersten Tages. Die Thais in ihrer freundlichen Art werden sicherlich verzeihen können.

PS vom 8.1 bis 4.2 sind wir in Myanmar und wissen noch nicht, wie dort die Internetverbindungen so sind. Bitte also nicht wundern, wenn 4 Wochen Ruhe im Blog herrscht.

Tschüß Indien und Willkommen Thailand

Da waren wir wohl etwas naiv oder anders ausgedrückt ziemlich doof gewesen, dass wir Indien schon kurz vor Sylvester verlassen haben. Zwar hatte sich Indien mit einem stinkenden Gate standesgemäß von uns verabschiedet und Thailand uns mit einem super sauberen, wohlriechenden Airport begrüßt, aber schon die Fahrt mit dem Taxi in die Stadt wurde langweilig. Warum hupt der gar nicht, fragt Jakob. Stimmt! Er ordnet sich defensiv ein, wo sich ein indischer Taxifahrer schon längst zwischen den Spuren hupend durch die anderen Autos gezwängt hätte. Wir hatten uns entschieden, ein Hotel in Khao San Nähe zu suchen. Erstes Hotel, sorry fully booked. Zweites Hotel ebenfalls und auf die Frage, ob sie bei einem dritten anrufen könnten, weil die Suche mit Kindern schwierig sei, nur ein verständnisloses Schweigen und schließlich auf Nachfrage die Antwort es sei um die Ecke und ich könne zu Fuß gehen. Dieses Hotel ist ebenfalls voll und auf die Frage nach Empfehlungen für eine ähnliche Hotelkategorie inkl. Pool, nur eine leicht genervte Antwort: „Hier seien überall Hotels ich solle halt suchen.“ Was ist nur aus dem so freundlichen Thailand geworden?? So mies wie hier ständig sind wir zuvor nur einziges Mal auf der gesamten Reise an einer Rezeption behandelt worden. Also zurück zum Taxi. Alle raus zum Essen und Rolf nimmt Thea auf den Arm, um so die angeblich so hohe Kindervernarrtheit der Thais auszunutzen. Doch weit gefehlt. „Es sei noch ein Zimmer der höchsten Kategorie frei“ (für den vor 10 Jahren in dieser Gegend undenkbaren Preis von 90 Euro!). Ok, würde ich mir gerne angucken. Es sei dann ja sicherlich groß genug für zwei extra Matratzen auf dem Boden, oder? Nein, Extramatratzen hätten sie nicht. Ähmm, aber wenn Sie ein Extrabett zur Verfügung stellen könnten, dann wären doch sicherlich zwei simple Matratzen auch möglich, oder? (ich lächel freundlich und zeige auf Thea, die ja noch aus Betten fallen würde). Nein, Matratzen hätten sie nicht! Verstehe jemand diese Thais. (In Indien war das übrigens NIE auch nur ein winziges Problem). Die sind ja scheinbar so Touri-gesättigt, dass sie nun versuchen, die Deutschen in Sachen Serviceunfreundlichkeit zu übertrumpfen. So geht es in mind. 10 Hotels bis wir schließlich doch noch fündig werden.

Abends als die Kinder schlafen noch ein Gang durch die Straßen. Wir werden von einer lauten Schallwelle zur nächsten noch lauteren gespült. Die eine Bar überschallt die andere! Unterhalten selbst auf der Straße völlig unmöglich. Wer tut sich so was eigentlich freiwillig an? Tausende von Touris, die hier Party machen! Die Straßen quellen vor Menschen fast über. Shit!! Sind wir wirklich so alt geworden?? Aber wir können einfach nicht anders als es echt schrecklich zu finden. Die Restaurants sind sehr voll, das Essen ist mies und teuer und die Bedienung ziemlich unfreundlich.

Erst weiter weg vom Hauptrummel finden wir unsere geliebten Straßenküchen wieder, die keine Burger, keine Fritten, keine Lasagne oder Fish and Chips auf der Karte stehen haben! Ein Hauch von dem früher von uns so gemochten Thailand kommt auf.

Ansonsten können wir Bangkok kaum wieder erkennen. Der Verkehr geordnet, saubere Luft, sehr saubere Straßen, kein Gestank, keine Kakerlaken, keine Ratten. Mensch Bangkok wie haste dich verändert, wie langweilig im Vergleich zu Mumbai bist du nur geworden.

Wir sehnen uns nach Indien zurück!