(aber nicht den Kopf)
Myanmar entpuppt sich als das, was sich schon in den ersten zwei Tagen andeutete. Auf der einen Seite die enorme Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Einwohner. Spontan sich freuende, uns zuwinkend und zulächelnde Menschen, wenn wir vorbei kommen. Klemmt das Fahrradschloß ist sofort jemand da, der aus reiner Freundlichkeit hilft. Fragen nach dem richtigen Weg, werden trotz größter Verständigungsschwierigkeiten mit viel Eifer und Freude am Helfen beantwortet. Den Kindern werden im Bus Bonbons, Mandarinen oder andere Kleinigkeiten geschenkt.
Auf der anderen Seite all diejenigen, die mit Touristen ihr Geld verdienen wollen. Zwar war auch Rolf klar, dass nicht mehr wie vor 11 Jahren diese „naive“ Freude über Fremde im Vordergrund stehen würde, aber dass Geld so schnell die eigentlich so höchstanständigen Burmesen verderben würde, ist unerwartet. Gnadenlos wird am Busticketschalter über die möglichen Routen gelogen, nur um eigene Tickets für überzogene Preise verlangen zu können, Essenspreise am Straßenrand erhöhen sich plötzlich um 50% ggü dem zuvor erfragten, weil ja noch irgendeine Zutat extra hinzugefügt worden sei. Aus abgesprochenen 7 $ werden 7000 Kyat (20% Aufschlag), die doch vereinbart gewesen wären. Alle Reisende klagen über das bei den Übernachtungen vorherrschende ganz miese Preis-Leistungsverhältnis.
$ 20 für dieses Zimmer an der lauten Straße ist ein Schnäppchen für asiatische Verhältnisse…
Natürlich müssen in ganz Asien ständig Preise verhandelt werden und Westler zahlen immer einen gewissen Aufschlag. Das ist schon ok! Aber in diesem Ausmaß wie in Myanmar, haben wir es noch nicht erlebt. Als wir kürzlich müde und staubig von einer Radtour ins Hotel zurückkehrten, der Hotelwirt uns mit dem Worten „You must still pay room“ begrüßte und er dann auch noch den zuvor mühsam ausgehandelten Fahrradpreis mit einem fadenscheinigen Grund verdoppelte, war es mit Rolfs Geduld vorbei. So etwas gehört sich in Asien zwar überhaupt nicht
und Rolf ist auch alles andere als Stolz darauf, aber der ganze Ärger über diese ständige Abzocke machte sich so breit, dass er sich in einen laut fluchenden, wild gestikulierender Monolog über diese Touristenabzocke der doch eigentlich so netten Burmesen hineinsteigerte. Entsetzt und peinlich berührt verfolgten die vielen umstehenden Burmesen den Vortrag, von dem sie wohl kaum etwas verstanden, aber klar war, dass dieser Touri unzweifelhaft so echt richtig sauer war. Wir bekamen die Räder für den richtigen Preis, aber der zuvor so wunderbare Reisetag (Endlich! Die Kinder haben Radfahren mitgemacht!!) war eingetrübt.
Ursachen dieses Wandels? Zum einen hat der Tourismus in den vergangenen drei Jahren so angezogen, dass die Hotelinfrastruktur nicht ganz mitgekommen ist und somit kein ausreichender Wettbewerb herrscht. Zudem müssen sich die Hoteliers einig sein: von den Touris verlangen wir einfach das Doppelte, wir halten die Preise hoch.
Dazu kommt sicherlich auch, dass das Land nicht von echten Backpackern erschlossen wurde, sondern schon damals (wie heute) viele All-Inklusive Reisegruppen auf den 5* Flusskreuzfahrtschiffen unterwegs sind oder in den vielfach vorhandenen edlen Resorts unterkommen. Ohne Gefühl und Ahnung vom örtlichen Preisniveau, zahlen diese anstandslos absurde Preise. Das hat sich wohl schnell rum gesprochen und im Goldrauschfieber will nun jeder seinen Claim bei diesen scheinbar steinreichen und strohdoofen Touristen abstecken.
Hilft das Aufregen darüber? Nein, ganz im Gegenteil! Es trübt nur unnötig die Reisefreuden ein, die wir in diesem weiterhin so wunderbaren Land mit seinen – bis auf oben genannten Ausnahmen – so warmherzigen und gastfreundschaftlichen Menschen machen dürfen. Also Vergangenheit ausblenden und Gegenwart akzeptieren (das fällt Rolf sehr schwer…). Das Land bietet so viel:
Goldene, hochheilige Felsen
Mönche und Buddhas in allen Größen



Die geschickten Fischer von Inle See


und das von uns so geschätzte, sehr leckere Straßenessen. Aber kaum etwas kann gegen Pixibuch lesen im Bett ankommen! 