Es hätte so bequem sein können, Myanmar zu bereisen. Nach dem Inlandsflug wartet schon der Fahrer und der eigene Guide, um uns in das 4* Resort zu fahren. Dort lassen wir uns erst einmal die Reiseanstrengungen aus dem Rücken massieren, bevor es mit dem klimatisierten Wagen zu den lokalen Sehenswürdigkeiten geht. Eine Agentur hat alles geplant und wir pauschal gezahlt. Keine Preisverhandlungen, keine eigenen Planungsanstrengungen sind mehr nötig. Während am nächsten Morgen andere Gäste eine Runde Golf bevorzugen, schwimmt Rolf ein paar Bahnen im Pool.
Warum haben wir es so nicht gemacht? Sind wir masochistisch veranlagt oder vom Geiz zerfressen, dass wir:
Nicht fliegen, sondern „local transport“ bevorzugen? D.h. auch mal 16 h auf dem Slow Boat zu verbringen, 
6 h auf der Holzpritsche eines Pick Ups eingestaubt zu werden
oder sich bei den Bussen, die gleichzeitig als Lastwagen fungieren, die Koffer mit Lackfarbe einsauen zu lassen.

Nicht im Voraus reservieren und bei Dämmerung auch mal vor fully booked Hotels stehen?
Alles selbst organisieren und angesichts der häufig so widersprüchlichen Informationen und einem richtig miesen Stefan Loose Reiseführer manchmal morgens nicht genau zu wissen, wie und ob man das angepeilte Ziel erreichen wird?
Sich nur in Grenzen „ortsfremden“ Luxus zu gönnen.
Essen dort, wo nach Möglichkeit nur Einheimische sind und die Bestellungen damit immer wieder schwierig sind?
In schwachen Momenten ertappen wir uns manchmal selbst bei dem Gedanken, dass das eigentlich ziemlich blöd und kräfteraubend ist! Zumal wir mit unserem Verhalten den Einheimischen am Wenigsten helfen, weil wir viel weniger Devisen in die Kasse des Landes bringen.
Die Regierung von Myanmar sieht dieses auch so. Teuer und vororganiserte Gruppenreisende werden bevorzugt. War es früher die politische Angst vor diesen unkontrollierbar reisenden Backpackern, die zu viel Kontakt mit den Einheimischen hatten, dürften es nunmehr stärker die finanziellen Aspekte sein, die dazu führen, dass kaum „wahre“ Backpacker zu sehen sind. Ausländer-Lizenzen für Guesthäuser vergibt die Regierung kaum, während neue 4* Resorts in einer hohen Anzahl entstanden sind. Das führt zu den hohen Preisen für einfache Unterkünfte und verschreckt die „einfach“ Reisenden. Vom Alter der Gäste erinnert uns das Land an Namibia, wo auch eher die 50+ Jährigen dominierten.
Tja, warum tun wir uns unseren Reisestil also an? Die Frage ist wohl so ähnlich schwer zu beantworten wie die nach dem Sinn eines Marathonlaufes. Ist es das so befriedigende Bewältigen von kleinen Abenteuern, Erlebnissen und Härten, die bei der Eigenorganisation zwangsläufig entstehen? Die Flexibilität? Ist es das Unterwegssein als Ziel zu betrachten und nicht das Abgrasen von Sightseeinghighlights?

(z.B. die Haltestellen des Slowboats sind ein solches Reiseerlebnis gewesen)
Die aufgrund der Kinder so vielfältigen kleinen Kontakte mit den Menschen während des Reisens?
(Jeder lässt sich hier sehr gerne von den Kleinen auf die Finger gucken)
Sich daher als ein nicht ganz so großer Fremdkörper in einem der ärmsten Länder der Welt fühlen zu wollen wie dieses als abgeschottet wohnender und sich fortbewegender Resort-Tourist der Fall sein muss? Das intensivere Erfühlen und Erfahren des Landes? Es ist wohl von allem ein bisschen, was uns antreibt. Wir sind dankbar für das Glück, die nötige Zeit zu haben, um sich diesen Reisestil leisten zu können!

Eine Radreise durch dieses Land ist bereits in “Übung”…