Eindrücke Bali II

Tja, uns geht hier auf Bali der Stoff für weitere Beiträge aus. Nicht, dass Bali langweilig wäre, aber wenn man zuvor Indien und Myanmar bereist hat, dann ist Bali einfach nur entspannter Urlaub (und dementsprechend ereignislos). Eine Ausnahme gibt es aber: das Autofahren auf Bali! Dank des Linksfahr-Trainingslagers in Namibia und des extrem Anschauungsunterrichts in Indien (im Vergleich dazu sind die Balinesen echt harmlos) macht das Fahren hier nach etwas Eingewöhnung sogar Spaß. Überholen trotz Gegenverkehr, ab und an hupen, links und rechts an den langsameren Verkehrsteilnehmern vorbeiziehen etc. Es herrscht eine entspannt liberale Auslegung der Verkehrsregeln bzw. Verkehrregeln gibt es hier gar nicht so richtig. Sie sind auch nicht nötig, denn jeder passt vorne sehr gut auf, keiner fährt schnell, keiner fühlt sich im Recht. Das reicht vollkommen. Rolf muss aufpassen, dass er die Fahrweise schnell in Hamburg ablegt, sonst ist das Punktekonto innerhalb einer Woche voll…

Auch das macht das Autofahren spannend

Die typischen Reisterrassen

Jakob in seinem Element. Während Aaron und Thea nach kurzem Draufhauen die Lust verlieren, spielt Jakob ausdauernd und in sich gekehrt.

Mal was fürs gute Gewissen tun. Freisetzung einer Schildkröte des Turtle Projects.

Das trifft ab und zu genau unser Empfinden bzgl. Reisen mit 3x Kindern

Bali Eindrücke

Um die erste längere Krankheitsphase gut zu überstehen, hätte es keinen besseren Ort auf unserer Reise geben können.

Reisen auf Bali ist gleichzeitig wie urlauben, da alles so einfach und relaxt ist. Ein kleines Paradies.

Das mag in der high season völlig anders aussehen, aber jetzt während der Regenzeit ist gerade absolute low season. Die locals sind sehr entspannt und enorm freundlich. Die Auswahl an geschmackvoll eingerichteten und direkt an den Stränden liegenden Unterkünften ist groß. (Blick aus dem Bett)

Mal beim Frühstück chillen,

mal machen open air Badezimmer Freude, mal kommt das Duschwasser als kleiner Wasserfall aus einem dicken Bambusrohr in der Wand, mal sind es die indonesischen Holztüren, die den Übergang aus dem liebevoll gestalteten Garten ins Zimmer reibungslos machen. Ach, so sehr wir Indien genossen haben, hier müsste man die indischen Hoteliers mal hinschickten, damit dort nicht nur Knast- und Schlachthofatmosphäre in den einfachen Hotels herrscht. Uns peinigt daher die Qual der Wahl bei der Übernachtungssuche. No more fully booked Situationen. Die Preise sind für das Gebotene mehr als fair und liegen so ca. 1/2 bis 1/3 unter denen in Myanmar. Also auch no more tourist rip off!(Hier inkl. Frühstück für 23,- € zu übernachten ist doch ok, oder?)

Die Insel ist zudem gerade knackig grün und landschaftlich sehr reizvoll. Mit seinen vielen Reisterrassen immer wieder ein Hingucker. Da die Distanzen auf der Insel gering sind und wir sie zudem mit einem Mietwagen bewältigen, herrscht auch an dieser Front Entspannung.

Die 6 Tage, an denen Jakob Fieber hatte (zwischenzeitlich hatte es auch Thea noch für 2 Tage erwischt), gingen daher schnell vorüber. Die anfänglichen Sorgen, immerhin waren wir bisher überwiegend in (harmloseren) Malariagebieten unterwegs, waren bald vorbei, weil die Symptome (Internetrecherche sei Dank) nicht so passten und die Locals davon berichteten, dass das Wetter derzeit auch bei ihren Kindern zu vielen Fieberfällen führen würde. Und damit wären wir auch bei dem einzigen, aber gravierenden Nachteil von Bali. Es ist enorm schwül und heiß! Regnen tut es nämlich derzeit für diese Jahreszeit ungewöhnlich wenig und daher ist es besonders heiß. Wenn es dann mal doch regnet ist es eher eine willkommene Abkühlung als ein Störfaktor.

Mittags sitzt man einfach nur so im Schatten vor sich hin und es rinnen dennoch Schweißperlen von der Stirn.

Man fühlt sich abends immer sehr müde und fertig an, obwohl wir es hier sehr ruhig angehen lassen. Also ab in den Pool!

Der Tourismus ist hier auf der Insel sehr reif entwickelt. Die Insel ist mit Mallorca insofern vergleichbar, als dass man es sich partymäßig in Kuta oder Sanur geben kann (wie Ballermann), aber nur ein paar Kilometer entfernt auch noch „normales“ Dorfleben und tolle Landschaft erleben kann, bzw sehr viele sehr ruhige Ecken mit tollen Unterkünften existieren.

Sollte uns dieses Leben hier bald zu langweilig werden, dann geht es auf nach Lombok, wo wieder Pickups und Minibusse auf uns warten!

Ach ja, auch für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt. Es gibt unzählige Warungs, die mit neuen Geschmackserlebnissen locken. Mit Nasi und Mie Goreng ist für die Kinder auch immer etwas dabei.

Tschüß Myanmar, Willkommen Bangkok, Tschüß Bangkok und Willkommen Bali!

Kleines Abschiedsfeuerwerk nach 4 erholsamen Tagen am Strand. Die Burmesen lieben Feuerwerke!

Ebenso wie den typischen burmesischen Sonnenschutz

Schnell noch Flipflops-Shopping in Bangkok

und die ersten Übungen für die Regenzeit auf Bali.

Bali empfing uns dann aber mit Sonne, 31 Grad warmen Meerwasser und tropisch feuchter und heißer Luft, über die selbst die Locals derzeit stöhnen. Abends durften wir dann aber doch den ersten Regen bestaunen, seit wir Deutschland vor fast 4 Monaten verlassen haben.

Nicht nur weil Jakob noch in der ersten Nacht hohes Fieber bekommen hat, werden wir gleich erst einmal für mehrere Tage einen Strandurlaub hier in Candi Dasa einlegen. Luft holen und Einstimmung ist angesagt! Der Flug nach Bali nach „nur“ 2,5 Tagen Bangkok kam uns viel zu früh vor, da wir von den Myanmar-Reiseerlebnissen noch so satt sind. Der nötige Hunger und die Offenheit für  Bali muss in den nächsten Tagen erst noch kommen. Das war wohl auch die Ursache dafür, dass wir beim Abflug noch gar nicht wussten, wo wir überhaupt auf Bali als allererstes hinwollten…

Vom „Richtigen“ Reisen

Es hätte so bequem sein können, Myanmar zu bereisen. Nach dem Inlandsflug wartet schon der Fahrer und der eigene Guide, um uns in das 4* Resort zu fahren. Dort lassen wir uns erst einmal die Reiseanstrengungen aus dem Rücken massieren, bevor es mit dem klimatisierten Wagen zu den lokalen Sehenswürdigkeiten geht. Eine Agentur hat alles geplant und wir pauschal gezahlt. Keine Preisverhandlungen, keine eigenen Planungsanstrengungen sind mehr nötig. Während am nächsten Morgen andere Gäste eine Runde Golf bevorzugen, schwimmt Rolf ein paar Bahnen im Pool.

Warum haben wir es so nicht gemacht? Sind wir masochistisch veranlagt oder vom Geiz zerfressen, dass wir:
Nicht fliegen, sondern „local transport“ bevorzugen? D.h. auch mal 16 h auf dem Slow Boat zu verbringen,

6 h auf der Holzpritsche eines Pick Ups eingestaubt zu werden

oder sich bei den Bussen, die gleichzeitig als Lastwagen fungieren, die Koffer mit Lackfarbe einsauen zu lassen.

Nicht im Voraus reservieren und bei Dämmerung auch mal vor fully booked Hotels stehen?

Alles selbst organisieren und angesichts der häufig so widersprüchlichen Informationen und einem richtig miesen Stefan Loose Reiseführer manchmal morgens nicht genau zu wissen, wie und ob man das angepeilte Ziel erreichen wird?

Sich nur in Grenzen „ortsfremden“ Luxus zu gönnen.

Essen dort, wo nach Möglichkeit nur Einheimische sind und die Bestellungen damit immer wieder schwierig sind?

In schwachen Momenten ertappen wir uns manchmal selbst bei dem Gedanken, dass das eigentlich ziemlich blöd und kräfteraubend ist! Zumal wir mit unserem Verhalten den Einheimischen am Wenigsten helfen, weil wir viel weniger Devisen in die Kasse des Landes bringen.
Die Regierung von Myanmar sieht dieses auch so. Teuer und vororganiserte Gruppenreisende werden bevorzugt. War es früher die politische Angst vor diesen unkontrollierbar reisenden Backpackern, die zu viel Kontakt mit den Einheimischen hatten, dürften es nunmehr stärker die finanziellen Aspekte sein, die dazu führen, dass kaum „wahre“ Backpacker zu sehen sind. Ausländer-Lizenzen für Guesthäuser vergibt die Regierung kaum, während neue 4* Resorts in einer hohen Anzahl entstanden sind. Das führt zu den hohen Preisen für einfache Unterkünfte und verschreckt die „einfach“ Reisenden. Vom Alter der Gäste erinnert uns das Land an Namibia, wo auch eher die 50+ Jährigen dominierten.

Tja, warum tun wir uns unseren Reisestil also an? Die Frage ist wohl so ähnlich schwer zu beantworten wie die nach dem Sinn eines Marathonlaufes. Ist es das so befriedigende Bewältigen von kleinen Abenteuern, Erlebnissen und Härten, die bei der Eigenorganisation zwangsläufig entstehen? Die Flexibilität? Ist es das Unterwegssein als Ziel zu betrachten und nicht das Abgrasen von Sightseeinghighlights?

(z.B. die Haltestellen des Slowboats sind ein solches Reiseerlebnis gewesen)

Die aufgrund der Kinder so vielfältigen kleinen Kontakte mit den Menschen während des Reisens?

(Jeder lässt sich hier sehr gerne von den Kleinen auf die Finger gucken)
Sich daher als ein nicht ganz so großer Fremdkörper in einem der ärmsten Länder der Welt fühlen zu wollen wie dieses als abgeschottet wohnender und sich fortbewegender Resort-Tourist der Fall sein muss? Das intensivere Erfühlen und Erfahren des Landes? Es ist wohl von allem ein bisschen, was uns antreibt. Wir sind dankbar für das Glück, die nötige Zeit zu haben, um sich diesen Reisestil leisten zu können!

Eine Radreise durch dieses Land ist bereits in “Übung”…

Verasiatung Teil II

Die so herzliche und warme Freundlichkeit der Burmesen mag eine große Rolle spielen. Vielleicht ist es auch einfach eine Entwicklung, die diese lange Dauer und die durchschrittene Talsohle bedurfte: die Kinder werden wieder selbstsicherer und selbständiger! In Hamburg konnten wir den Kindern erzählen, dass wir noch abends weggehen würden, aber die Nachbarn da sein, wenn etwas los sein sollte. Das wurde gnädigerweise akzeptiert.

Im (menschenarmen) Namibia war das auch noch halbwegs ok, aber in Indien erlebten wir einen extremen Rückschritt. Wir konnten sie noch nicht einmal für 2 Minuten allein am Strand spielen lassen, um selbst kurz (!!) eine Abkühlung in den Wellen zu suchen. Halb panisches Geweine und Geschreie der Kinder am Strand. Die Inder, häufig gleich in kleinen Gruppen, kamen den Kindern einfach zu nahe, sprachen sie an, fassten sie an. Waren wir nicht an ihrer Seite, hatten sie davor echt Angst. Mussten wir zu Beginn der Reise aufpassen, dass uns kein Kind verloren geht, hatten wir in Indien ständig die kleinen, häufig dreckig-klebrigen, Schweisshände der Kinder an der Hand oder der Hose und Abends regelmäßig einen Kinderhände-Anfass-Overkill. Wir machten uns ernsthaft Sorgen, ob wir da den Kindern etwas „angetan“ hatten. Um so glücklicher sind wir nun, dass sich die Kinder wieder in die richtige Richtung entwickeln.

Die Bilder des „Hilfe, Verasiatung setzt ein!“ Blockbeitrags mögen diese Entwicklung schon angedeutet haben, und so geht es zum Glück weiter. Die schüchterne Thea hilft, gekochte Vogeleier einzupacken.

Gelassenheit trotz abendlicher Fahrradpanne weit ab vom Guesthouse (wieder mal ein Bsp. für die große Freundlichkeit der Burmesen, dass uns sofort geholfen wurde!)

Die Kinder ertragen souveräner die Fotoaufnahmen

oder (halbwegs) cool die Umarmung eines Mönches

Auf der Straße wird schon mal der Minipickup getestet, der uns gleich zur Busstation bringen soll.

Jakob schon panische Angst, dass seine Eltern vor der Abfahrt oder nach kurzen Pausen den Bus nicht rechtzeitig besteigen könnten, ist einem Nachspielen der typischen Beifahrer und Einkassierer-Stellung gewichen.

Schon am ersten Tag unseres soeben angetretenen Strandurlaubes konnten wir die Kinder völlig allein am Strand lassen und die Jungs spielten sofort mit 2-3 einheimischen Jungs und Hotelangestellten Fußball, Flummi und Frisbee. Große Erleichterung bei uns, weil wir den Kindern scheinbar doch keine traumatischen Erlebnisse zugefügt haben und zudem auch tagsüber mehr Kinderhand-freie-Zeit haben, um unter anderem diesen Blockartikel zu verfassen. Weil die 3x Reisetage zuvor mit Buspanne, nächtlichem Ankommen, 7-8 h Busfahren pro Tag anstrengend waren und nun die Kinder hier am Strand von Chaungta so schön selbständig spielen, erleben wir Eltern die bis dahin größte Leichtigkeit des Seins auf unserer Reise!

Reisen mit Kindern: Die Romantik

Nicht nur die Romantik, an die einige geschätzte LeserInnen nun gedacht haben mögen, sondern auch die übrige Romantik kommt auf einer Reise mit Kindern etwas zu kurz. Es ist noch leicht schummrig als wir unsere Fahrräder vor einer der hunderten von Stupas in Bagan abstellen und die steilen Stufen hinaufsteigen. Mindestens 15 andere Touristen sind schon da und starren andächtig in Richtung Osten, wo in den nächsten paar Minuten die Sonne hinter dem Horizont auftauchen müsste. Zwischen den abgeernteten Reisfeldern, den vereinzelten grünen Bäumen und den vielen Stupas liegt hier und da noch der frühmorgendliche Dunst.

Eine magische Stimmung in Bagan, die wirklich einzigartig ist und das frühe Aufstehen auf jeden Fall rechtfertigt. Es herrscht eine gespannte, würdevolle Stille bis Jakobs Kinderstimmer die Stille durchbricht: „Papa, ich muss mal Pipi!“. Ok, noch müssten wir so 5 Minuten haben. Also entspannt bleiben, steilen Stufen langsam runter, Pipi machen beaufsichtigen und rauf geht es wieder. Kaum oben, muss Aaron auch! Hilft nichts, runter, Pipi und wieder rauf! Schnell noch ein Familienfoto von einer netten Japanerin machen lassen

und eigenen Fotoapparat in den Anschlag bringen. Die Kinder nähern sich gefährlich der steilen Kante der Stupa. Kinder einnorden, das dass hier ziemlich hoch ist und daher gefährlich ist. Nördlich von uns starten in diesem Moment ein paar Heißluftballons.

Die Kinder sind begeistert und interessieren sich gar nicht für die Sonne, die gerade als dünner glühender Streifen am Horizont sichtbar wird.

Um noch bessere Fotos machen zu können, steigt Rolf noch ein Stockwerk höher. Kaum ein Foto gemacht, taucht Aaron bei den Stufen auf.Schnell Aaron zum Stillstehen verdonnern, Kamera hastig wieder einpacken. Die Sonne steigt langsam und ihr rötliches Licht betont wunderbar die Stupas aus Backstein. Entsprechend langweilig finden es die Kinder und werden etwas unruhig. Wir daher auch! Zum Glück kommen die Ballons näher und begeistern noch einmal die Kinder.

Wieder etwas Zeit, um die einmalig tolle Landschaft in dem morgendlichen Licht zu genießen. Dann folgt ein Fragenkatalog. Warum machen die im Ballon Feuer? Womit? Warum heiß? Können wir da auch mitfliegen? Thea: “Ich will aber!“, „Alles ausgebucht, geht daher nicht!“ es folgt ein typischer trotziger Thea-Mädchenweinanfall… „ICH WILL ABER?“

Jakob ist etwas müde und der Hunger macht sich langsam breit. Zeit aufzubrechen, bevor die Stimmung in den Keller fällt. Der Versuch, noch schnell ein schönes Familienfoto zum Abschied zu machen, ist zum Scheitern verurteilt…

Toll war es aber dennoch!

Fazit: Kinder und Romantik passt nicht sonderlich gut zusammen.