Archiv für den Monat Dezember 2012
Busfahren in Indien
Der Bus klebt einen Meter hinter dem Laster. Kaum ist der Gegenverkehr vorbei, schert der Fahrer hupend aus. Kein auch nur mit einem Funken Verstand gesegneter Westeuropäer hätte in dieser Situation an ein Überholmanöver gedacht. Vorne eine Kuppe, die dem Fahrer komplett die Sicht versperrt. Kaum auf Höhe des Lasters kommt auch schon ein anderer Laster hinter der Kuppe hervor. Das kann nicht gut gehen! Mir stockt der Atem. Keiner bremst. Der Bus hält auf den Laster zu, dieser auf uns. Im letzten Augenblick zieht der Bus rüber. Das war knapp. Tief Luft holen und langsam ausatmen, das hilft. Am besten man guckt einfach nicht mehr nach vorne, denn so knapp ist es ständig. Da hier aber nicht schnell gefahren wird und jeder damit rechnet, dass alle wie die Idioten überholen, schaffen es die Fahrer immer wieder, das Schlimmste zu verhindern. Sie sitzen immerhin vorne und mögen Ihr Leben trotz der Fahrweise scheinbar doch ein wenig.
Wahrscheinlich hat auch Ganesh, der hier in jedem Fahrzeug mitfährt, seine rettende Hand im Spiel. Während ich darüber nachdenke, dass ich hier nie selbst Auto fahren möchte, setzt unser Fahrer auch schon zum nächsten no look Überholmanöver an. Ganesh, sei bei uns, ok?!!
P.S. Ach ja, nicht nur weil es in dieser Hinsicht eine nette Passage gibt, ist der Best Exotic Marigold Hotel Film empfehlenswert, wenn man einen kleinen Eindruck von Indien bekommen möchte. Wir müssen häufig an einige Stellen dieses Films denken, wenn wir hier unterwegs sind.
Reisen in Indien mit Kindern II
Das so enorm spannende Alltagsleben in Indien kostet zwar immer wieder ein paar unserer Energiekörner, aber macht das Reisen gerade für die Kinder nie langweilig.Dort klauen Affen eine Chipstüte, hier laufen Schweine und Kühe die Straße entlang
und interessante Menschen zu bestaunen gibt es sowieso.
Angesichts der tiefen Löcher in den nur teilweise vorhandenen Gehwegen und sonstigen Stolperfallen allenorten haben wir unsere liebe Mühe, die Kinder dazu zu bewegen, nach vorne zu gucken, um nicht so oft zu stolpern, durch ein Loch in übelst stinkendes Abwasser zu fallen oder in den nächsten Kuhfladen zu treten.
Nur selten müssen wir also die Kinder extra unterhalten.
Pixibuch lesen an einem ausnahmsweise fast menschenleeren Bahnhof.
Echte Härte für Eltern: Unzählige „Warum?“ Fragen sind zu beantworten! Gerade Aaron beherrscht die Fragerei in Perfektion.
Zum Glück wurden hierzu keine Fragen gestellt…
Reisen mit Kindern in Indien I
Mindestens 15 schwarz gekleidete und finster aussehende Inder bauen sich vor uns auf und umringen uns.
Die Kinder klammern sich fester um unsere Beine und die kleinen Hände von Hände von Thea strecken sich mir entgegen: „Papa Arm“.
Dann folgt das übliche Ritual. Fotohandies werden gezückt und wir gebeten, uns mit ihnen fotografieren zu lassen.
Höflich bedanken sich diese Pilger anschließend bei uns und haben auch Verständnis dafür gehabt, dass sie die Kinder nicht berühren sollen. Das nervt nämlich langsam und wir können nunmehr sehr gut nachvollziehen, was Freunde von uns durchgemacht haben, die mit 3 richtig blonden kleinen Mädchen in Indien unterwegs waren! Einmal hat sich sogar die Polizei schützend vor die Familie gestellt, da sich eine große Menschentraube angesammelt hatte. Aggressiv ist das Verhalten ganz und gar nicht, aber wir fühlen uns doch wie Zootiere, wenn mal weniger, mal mehr Inder um einen herum stehen und gucken, wie wir uns so verhalten. 
Wirklich nervig ist aber der Versuch, insbesondere Thea immer wieder an die Wange zu fassen bzw. leicht zu kneifen. Hier reagiert der Papa schon ab und an mal etwas ungehaltener! Letztlich entspringt dieses Verlangen aber wohl nur der außerordentlich großen Kinderfreundlichkeit in Indien. Überall werden wir sehr aufrichtig freundlich begrüßt und die Kinder sofort mit einem Lächeln bedacht. Eine Familie mit 3 Kindern zu haben, hat scheinbar hier einen hohen Stellenwert und dementsprechend respektvoll und zuvorkommend werden wir behandelt.
Zudem achten wir darauf, nicht wie so viele junge Backpacker in abgewrackten „Hippiklamotten“ herumzulaufen. Die Inder verstehen nicht, warum sich jemand freiwillig so wie die unterste Kaste – es höchst unfreiwillig tut – kleidet. Uns wird also gerne geholfen und dementsprechend viel, viel einfacher als gedacht stellt sich das Reisen in Indien heraus.
Auch haben wir uns noch nie gefährdet gefühlt. Würde uns jemand berauben wollen, so muss er wohl damit rechnen, sofort von dann wohl wirklich extrem finster aussehenden Indern umringt und gelüncht zu werden.
Weihnachtsgrüße
Sightseeing mit Kindern
Ist weiterhin nur etwas für Eltern mit sado und maso Vorlieben.
Lösungsansätze?
Sightseeing mit Pancakeessen verbinden. Geht super!!
Statt selbst laufen, aufs Mofa umsteigen. Ging gar nicht! Jakob sträubte sich strikt dagegen, mit aufzusteigen. Aaron hatte immerhin schon eine Proberunde mit Rolf absolviert und Thea wäre im Ergo Carrier dabei gewesen.
Mehr Tuk Tuk einsetzen. Geht prima!
Küchensightseeing ist gerade bei Aaron stets beliebt und dank der Kinder finden die Köche das auch super.
Ohne Mampf kein Sightseeingkampf.
Armreifen-Sightseeing ist für Thea ganz weit vorne.
Elefantenritte sind ebenfalls weit vorne.
Am allerbesten allerdings funktioniert das vorübergehende Inhaftieren!
Akku alle – Aktualisiert -
Akku alle – Aktualisiert –
Herzlichen Dank für die Besserungswünsche. Sie haben gewirkt! Da zudem die Blogeinträge stets der Gegenwart hinterher laufen und wir auch nur zum Blogschreiben kommen, wenn wir Zeit, Lust und Kraft haben, war das Zwischentief auch eigentlich schon wieder verflogen als der Artikel schließlich online stand.
Kein Wunder, denn wir hatten ja auch Kerala erreicht.
Aber wer Indien ohne Zwischentief übersteht, der war wohl auch nicht wirklich dort.
Wir genießen also das Reisen in Indien wieder richtig.
Na ja zumindest zu 90%. Mitten im Müll die nach Stinkbomben riechende Strandidylle zu genießen ist immer noch nicht so ganz unsere Sache…
P.S. Gerade haben wir unser Akkukabel vom Computer verloren. Bitte nicht wundern, wenn vorerst keine Einträge kommen.
Akku alle
Akku alle Die Akkuanzeige blinkt: „Bitte umgehend an eine externe Stromversorgung anschließen“. Schwupps das Kabel anschließen und kurze Zeit später ist der Akku wieder voll. So eine externe Stromversorgung hätten wir gerade dringend nötig! Unser Akku blinkt ebenfalls rot. Was vor Kurzem noch spannende Gerüche waren, ist nun miefiger Gestank, was eben noch spannender Straßenverkehr, nun eine hupende Schlafstörung, das überquellende Leben auf der Straße nur noch ein Hindernis auf dem Weg zur Busstation und die strahlende Sonne nur noch lästige Hitzequelle. Man ertappt sich beim Wunschgedanken, nun gerade gerne die Kinder in Hamburg in den Kindergarten zu stecken und ALLEIN bei einem guten Kaffee noch ein leckeres Schwarzbrot mit Käse zu essen. Was war passiert? Nach unserem ersten Inlandsausflug wollten wir am Strand in Gokarna die Akkus noch einmal richtig voll tanken. Es folgten 3x Nächte mit spuckenden Kindern und Anouchka war zudem auch einen Tag etwas krank. Da zudem die Unterkunft feucht muffte, wir aber in der Umgebung nichts besseres finden konnten, wollten wir aus diesem Ort schließlich nur noch weg. Also ab in das landschaftlich schöne Madikeri in eine stimmungsvollere und teure Unterkunft mitten im schroffen Bergregenwald, um bei milden Temperaturen Schlaf nachzuholen und bei geführten kleinen Wanderungen über die Plantagen „Stromversorgung zu erhalten“. Denkste, teuer war die Unterkunft für Indien zwar, aber auch sehr feucht und echt kalt. Es muffelte vor allem schon wieder nach verfaulten Matratzen! Da wir nachts selbst froren und gerade Thea häufiger zudecken mussten, war an Tiefschlaf nicht wirklich zu denken. Also weitere Flucht nach Mysore, wo wir nach einer langen, warmen Busfahrt leider das erste Hotelzimmer akzeptierten, obwohl es den Charme eines Knastes hatte. Keine Kraft zum Weitersuchen und die Kinder mussten schließlich vor dem Schlafen noch was essen. Frühmorgens dann extrem laute Inder auf dem gekachelten Hotelflur. Als Thea dann unmittelbar nach dem Aufstehen auch noch einen „Ich will aber selbst…“ Weinanfall anfing, war es mal wieder mit Rolfs Gelassenheit vorbei. Thea wurde weinend auf den Flur gestellt, die Familie fluchend verwünscht und das muffige Schlaf T-Shirt in die Ecke gefeuert! Dank eines netten Tuk Tuk Fahrers wurden wir aber auf der morgendlich Suche nach einem neuen Zimmer schnell fündig, den Kindern ausgiebig gestattet den Kinderkanal zu gucken und viel Zeit im Bett verbracht und einen Tag angehängt, weil mittlerweile auch Rolf kränkelte. Das reichte an Akkuladung zumindest aus, um sich klar zu werden, dass die innere Einstellung zu Indien korrigiert werden musste. Bislang nur je 1x Spucken der Kinder für nur je 12 h. Ist doch klasse für Indien! Es hätte tagelanger Durchfall sein können. War es nicht spannend gewesen, im Regenwald Vanilleschoten, Pfefferpflanzen und Kaffee gezeigt zu bekommen. Waren die Kinder nicht extrem tapfer gewesen angesichts der zahlreichen Blutegel an ihren Füßen? Die Sonne am Morgen im Urwald nicht herrlich warm? Indien wieder zu mögen so wie es nun mal ist, ist fast wie eine externe Stromzufuhr. Akku also noch längst nicht wieder voll, aber wir haben schon wieder 2x lange Reisetage bestens überstanden.
Gestrandet in MARGAO
Gestrandet in Margao
“Sorry, train tomorrow fully booked, next train in 3 days.”
Wir sitzen zu fünft inkl. Gepäck im Tuk Tuk. Dank der Enge bringt selbst der Fahrtwind kaum Abkühlung. Feuchte 34 Grad lassen Schweißperlen an Rolfs Nacken hinunterlaufen. Die Kinder haben gerötete Gesichter, sind müde und hungrig. Mofas schwirren zu hunderten wie die Bienen um die hupenden Autos und Busse herum. Überall Verkaufsstände, überall Menschen, überall Lärm.
Nach Margao – eine dieser x-beliebigen Kleinstädte in Indien – waren wir nur gekommen, um gleich wieder früh morgens mit dem Zug abzuhauen. Und nun diese überraschende Nachricht. Was nun? Ok, Kids first. Also im Hotel einchecken, Essen aufs Zimmer, Schlafen und neue Pläne schmieden.
Auch wenn es bei unserer Reise nicht auf einen Tag ankommt, so sind wir dennoch ziemlich genervt. Der Reisegott meint es jedoch gut mit uns. Auf der Suche, wo wir wie wann alternativ hinfahren können, stoßen wir eher zufällig auf Panjim. Anouchka kennt aus ihrer Studienzeit in Wismar sogar noch einen Lichtplaner, Kapil, der dort um die Ecke wohnt. Panjim entpuppt sich als wirklich sehenswert und da Sonntag ist, lädt uns Kapil netterweise schon mittags zu sich nach Hause ein. Wir werden sehr herzlich aufgenommen und es ist spannend zu sehen und zu hören, wie eine indische Mittelstandsfamilie lebt. Natürlich werden wir sehr köstlich verwöhnt und dürfen auch noch die kleine End of Divali Andacht in seinem Hause mitmachen.
Am Montag sind wir dann schon wieder in Margao, um Dienstagfrüh den Zug nach Hampi zu nehmen. Wie schon so oft auf Reisen, hat sich wieder einmal eine vermeintlich schlechte Situation ins Gegenteil gedreht. Danke für den fully booked train!



























