Gegendarstellung

Khao San Road ist zum Glück nicht Thailand! Wenn täglich unzählige neue Urlauber in diese Gegend einfallen, um Muskelshirt bekleidet mehr oder weniger Bier zu trinken und sich mehr oder weniger freundlich zu verhalten, dann muss man wohl für die Unfreundlichkeit in dieser „Sonderzone“ auch etwas Verständnis haben. Kaum ist man aus dieser Gegend raus, wird es schon deutlich freundlicher und hat man Bangkok erst den Rücken gekehrt, erfährt man wieder diese besonders tolle Art der Freundlichkeit, die die Thais auszeichnet. Als Familie erleben wir darüber hinaus die ausgesprochen große Kinderfreundlichkeit der Thais. Dieses geht vom Empfangen mit einem Lächeln über diesen Kindervernarrtheit-Blick in den Augen zu einem immer und sofortigem Anbieten von Plätze für die Kinder in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Extrem wohlerzogen diese Thailänder!

Auch ist Bangkok nicht wirklich langweilig. Gerade die schlechten Englischkenntnisse der Thais machen viele Dinge besonders interessant. Mit Händen und Füssen das richtige Essen inkl. Kindersonderwünsche am Straßenrand in China Town zu bestellen.

Ob man wohl dem Friseur die richtige Frisur beschrieben hat? (zack, da waren die Koteletten ab!).

Mal so richtig auf ein großen Gong schlagen dürfen ist ebenso spannend,

wie einem Loewen ins Maul zu fassen

oder eine Schlange zu streicheln.

Das Aufsammeln der Spendenmünzen im Tempel sollte unser Hotelzimmer finanzieren.

Reichte aber leider nicht aus…

Obwohl deutlich in Richtung Singapur driftend, bietet Bangkok also immer noch eine riesige Bandbreite des Lebens an und steckt voller Abenteuer.

Es tut uns also leid, dass wir die Thais und Bangkok im vorherigen Artikel so schlecht dargestellt haben, aber so war nun mal unser Eindruck des ersten Tages. Die Thais in ihrer freundlichen Art werden sicherlich verzeihen können.

PS vom 8.1 bis 4.2 sind wir in Myanmar und wissen noch nicht, wie dort die Internetverbindungen so sind. Bitte also nicht wundern, wenn 4 Wochen Ruhe im Blog herrscht.

Tschüß Indien und Willkommen Thailand

Da waren wir wohl etwas naiv oder anders ausgedrückt ziemlich doof gewesen, dass wir Indien schon kurz vor Sylvester verlassen haben. Zwar hatte sich Indien mit einem stinkenden Gate standesgemäß von uns verabschiedet und Thailand uns mit einem super sauberen, wohlriechenden Airport begrüßt, aber schon die Fahrt mit dem Taxi in die Stadt wurde langweilig. Warum hupt der gar nicht, fragt Jakob. Stimmt! Er ordnet sich defensiv ein, wo sich ein indischer Taxifahrer schon längst zwischen den Spuren hupend durch die anderen Autos gezwängt hätte. Wir hatten uns entschieden, ein Hotel in Khao San Nähe zu suchen. Erstes Hotel, sorry fully booked. Zweites Hotel ebenfalls und auf die Frage, ob sie bei einem dritten anrufen könnten, weil die Suche mit Kindern schwierig sei, nur ein verständnisloses Schweigen und schließlich auf Nachfrage die Antwort es sei um die Ecke und ich könne zu Fuß gehen. Dieses Hotel ist ebenfalls voll und auf die Frage nach Empfehlungen für eine ähnliche Hotelkategorie inkl. Pool, nur eine leicht genervte Antwort: „Hier seien überall Hotels ich solle halt suchen.“ Was ist nur aus dem so freundlichen Thailand geworden?? So mies wie hier ständig sind wir zuvor nur einziges Mal auf der gesamten Reise an einer Rezeption behandelt worden. Also zurück zum Taxi. Alle raus zum Essen und Rolf nimmt Thea auf den Arm, um so die angeblich so hohe Kindervernarrtheit der Thais auszunutzen. Doch weit gefehlt. „Es sei noch ein Zimmer der höchsten Kategorie frei“ (für den vor 10 Jahren in dieser Gegend undenkbaren Preis von 90 Euro!). Ok, würde ich mir gerne angucken. Es sei dann ja sicherlich groß genug für zwei extra Matratzen auf dem Boden, oder? Nein, Extramatratzen hätten sie nicht. Ähmm, aber wenn Sie ein Extrabett zur Verfügung stellen könnten, dann wären doch sicherlich zwei simple Matratzen auch möglich, oder? (ich lächel freundlich und zeige auf Thea, die ja noch aus Betten fallen würde). Nein, Matratzen hätten sie nicht! Verstehe jemand diese Thais. (In Indien war das übrigens NIE auch nur ein winziges Problem). Die sind ja scheinbar so Touri-gesättigt, dass sie nun versuchen, die Deutschen in Sachen Serviceunfreundlichkeit zu übertrumpfen. So geht es in mind. 10 Hotels bis wir schließlich doch noch fündig werden.

Abends als die Kinder schlafen noch ein Gang durch die Straßen. Wir werden von einer lauten Schallwelle zur nächsten noch lauteren gespült. Die eine Bar überschallt die andere! Unterhalten selbst auf der Straße völlig unmöglich. Wer tut sich so was eigentlich freiwillig an? Tausende von Touris, die hier Party machen! Die Straßen quellen vor Menschen fast über. Shit!! Sind wir wirklich so alt geworden?? Aber wir können einfach nicht anders als es echt schrecklich zu finden. Die Restaurants sind sehr voll, das Essen ist mies und teuer und die Bedienung ziemlich unfreundlich.

Erst weiter weg vom Hauptrummel finden wir unsere geliebten Straßenküchen wieder, die keine Burger, keine Fritten, keine Lasagne oder Fish and Chips auf der Karte stehen haben! Ein Hauch von dem früher von uns so gemochten Thailand kommt auf.

Ansonsten können wir Bangkok kaum wieder erkennen. Der Verkehr geordnet, saubere Luft, sehr saubere Straßen, kein Gestank, keine Kakerlaken, keine Ratten. Mensch Bangkok wie haste dich verändert, wie langweilig im Vergleich zu Mumbai bist du nur geworden.

Wir sehnen uns nach Indien zurück!

Busfahren in Indien

Der Bus klebt einen Meter hinter dem Laster. Kaum ist der Gegenverkehr vorbei, schert der Fahrer hupend aus. Kein auch nur mit einem Funken Verstand gesegneter Westeuropäer hätte in dieser Situation an ein Überholmanöver gedacht. Vorne eine Kuppe, die dem Fahrer komplett die Sicht versperrt. Kaum auf Höhe des Lasters kommt auch schon ein anderer Laster hinter der Kuppe hervor. Das kann nicht gut gehen! Mir stockt der Atem. Keiner bremst. Der Bus hält auf den Laster zu, dieser auf uns. Im letzten Augenblick zieht der Bus rüber. Das war knapp. Tief Luft holen und langsam ausatmen, das hilft. Am besten man guckt einfach nicht mehr nach vorne, denn so knapp ist es ständig. Da hier aber nicht schnell gefahren wird und jeder damit rechnet, dass alle wie die Idioten überholen, schaffen es die Fahrer immer wieder, das Schlimmste zu verhindern. Sie sitzen immerhin vorne und mögen Ihr Leben trotz der Fahrweise scheinbar doch ein wenig.

Wahrscheinlich hat auch Ganesh, der hier in jedem Fahrzeug mitfährt, seine rettende Hand im Spiel. Während ich darüber nachdenke, dass ich hier nie selbst Auto fahren möchte, setzt unser Fahrer auch schon zum nächsten no look Überholmanöver an. Ganesh, sei bei uns, ok?!!

 

P.S. Ach ja, nicht nur weil es in dieser Hinsicht eine nette Passage gibt, ist der Best Exotic Marigold Hotel Film empfehlenswert, wenn man einen kleinen Eindruck von Indien bekommen möchte. Wir müssen häufig an einige Stellen dieses Films denken, wenn wir hier unterwegs sind.

Reisen in Indien mit Kindern II

Das so enorm spannende Alltagsleben in Indien kostet zwar immer wieder ein paar unserer Energiekörner, aber macht das Reisen gerade für die Kinder nie langweilig.Dort klauen Affen eine Chipstüte, hier laufen Schweine und Kühe die Straße entlang

und interessante Menschen zu bestaunen gibt es sowieso.

Angesichts der tiefen Löcher in den nur teilweise vorhandenen Gehwegen und sonstigen Stolperfallen allenorten haben wir unsere liebe Mühe, die Kinder dazu zu bewegen, nach vorne zu gucken, um nicht so oft zu stolpern, durch ein Loch in übelst stinkendes Abwasser zu fallen oder in den nächsten Kuhfladen zu treten.

Nur selten müssen wir also die Kinder extra unterhalten.

Pixibuch lesen an einem ausnahmsweise fast menschenleeren Bahnhof.

Echte Härte für Eltern: Unzählige „Warum?“ Fragen sind zu beantworten! Gerade Aaron beherrscht die Fragerei in Perfektion.

Zum Glück wurden hierzu keine Fragen gestellt…

Reisen mit Kindern in Indien I

Mindestens 15 schwarz gekleidete und finster aussehende Inder bauen sich vor uns auf und umringen uns.

Die Kinder klammern sich fester um unsere Beine und die kleinen Hände von Hände von Thea strecken sich mir entgegen: „Papa Arm“.

Dann folgt das übliche Ritual. Fotohandies werden gezückt und wir gebeten, uns mit ihnen fotografieren zu lassen.

Höflich bedanken sich diese Pilger anschließend bei uns und haben auch Verständnis dafür gehabt, dass sie die Kinder nicht berühren sollen. Das nervt nämlich langsam und wir können nunmehr sehr gut nachvollziehen, was Freunde von uns durchgemacht haben, die mit 3 richtig blonden kleinen Mädchen in Indien unterwegs waren! Einmal hat sich sogar die Polizei schützend vor die Familie gestellt, da sich eine große Menschentraube angesammelt hatte. Aggressiv ist das Verhalten ganz und gar nicht, aber wir fühlen uns doch wie Zootiere, wenn mal weniger, mal mehr Inder um einen herum stehen und gucken, wie wir uns so verhalten.

Wirklich nervig ist aber der Versuch, insbesondere Thea immer wieder an die Wange zu fassen bzw. leicht zu kneifen. Hier reagiert der Papa schon ab und an mal etwas ungehaltener! Letztlich entspringt dieses Verlangen aber wohl nur der außerordentlich großen Kinderfreundlichkeit in Indien. Überall werden wir sehr aufrichtig freundlich begrüßt und die Kinder sofort mit einem Lächeln bedacht. Eine Familie mit 3 Kindern zu haben, hat scheinbar hier einen hohen Stellenwert und dementsprechend respektvoll und zuvorkommend werden wir behandelt.

Zudem achten wir darauf, nicht wie so viele junge Backpacker in abgewrackten „Hippiklamotten“ herumzulaufen. Die Inder verstehen nicht, warum sich jemand freiwillig so wie die unterste Kaste – es höchst unfreiwillig tut – kleidet. Uns wird also gerne geholfen und dementsprechend viel, viel einfacher als gedacht stellt sich das Reisen in Indien heraus.

Auch haben wir uns noch nie gefährdet gefühlt. Würde uns jemand berauben wollen, so muss er wohl damit rechnen, sofort von dann wohl wirklich extrem finster aussehenden Indern umringt und gelüncht zu werden.

Sightseeing mit Kindern

Ist weiterhin nur etwas für Eltern mit sado und maso Vorlieben.

Lösungsansätze?

Sightseeing mit Pancakeessen verbinden. Geht super!!

Statt selbst laufen, aufs Mofa umsteigen. Ging gar nicht! Jakob sträubte sich strikt dagegen, mit aufzusteigen. Aaron hatte immerhin schon eine Proberunde mit Rolf absolviert und Thea wäre im Ergo Carrier dabei gewesen.

Mehr Tuk Tuk einsetzen. Geht prima!

Küchensightseeing ist gerade bei Aaron stets beliebt und dank der Kinder finden die Köche das auch super.

Ohne Mampf kein Sightseeingkampf.

Armreifen-Sightseeing ist für Thea ganz weit vorne.

Elefantenritte sind ebenfalls weit vorne.

Am allerbesten allerdings funktioniert das vorübergehende Inhaftieren!

Akku alle – Aktualisiert -

Akku alle – Aktualisiert –

 

Herzlichen Dank für die Besserungswünsche. Sie haben gewirkt! Da zudem die Blogeinträge stets der Gegenwart hinterher laufen und wir auch nur zum Blogschreiben kommen, wenn wir Zeit, Lust und Kraft haben, war das Zwischentief auch eigentlich schon wieder verflogen als der Artikel schließlich online stand.

Kein Wunder, denn wir hatten ja auch Kerala erreicht.

Aber wer Indien ohne Zwischentief übersteht, der war wohl auch nicht wirklich dort.

Wir genießen also das Reisen in Indien wieder richtig.

Na ja zumindest zu 90%. Mitten im Müll die nach Stinkbomben riechende Strandidylle zu genießen ist immer noch nicht so ganz unsere Sache…

P.S. Gerade haben wir unser Akkukabel vom Computer verloren. Bitte nicht wundern, wenn vorerst keine Einträge kommen.

Akku alle

Akku alle Die Akkuanzeige blinkt: „Bitte umgehend an eine externe Stromversorgung anschließen“. Schwupps das Kabel anschließen und kurze Zeit später ist der Akku wieder voll. So eine externe Stromversorgung hätten wir gerade dringend nötig! Unser Akku blinkt ebenfalls rot. Was vor Kurzem noch spannende Gerüche waren, ist nun miefiger Gestank, was eben noch spannender Straßenverkehr, nun eine hupende Schlafstörung, das überquellende Leben auf der Straße nur noch ein Hindernis auf dem Weg zur Busstation und die strahlende Sonne nur noch lästige Hitzequelle. Man ertappt sich beim Wunschgedanken, nun gerade gerne die Kinder in Hamburg in den Kindergarten zu stecken und ALLEIN bei einem guten Kaffee noch ein leckeres Schwarzbrot mit Käse zu essen. Was war passiert? Nach unserem ersten Inlandsausflug wollten wir am Strand in Gokarna die Akkus noch einmal richtig voll tanken. Es folgten 3x Nächte mit spuckenden Kindern und Anouchka war zudem auch einen Tag etwas krank. Da zudem die Unterkunft feucht muffte, wir aber in der Umgebung nichts besseres finden konnten, wollten wir aus diesem Ort schließlich nur noch weg. Also ab in das landschaftlich schöne Madikeri in eine stimmungsvollere und teure Unterkunft mitten im schroffen Bergregenwald, um bei milden Temperaturen Schlaf nachzuholen und bei geführten kleinen Wanderungen über die Plantagen „Stromversorgung zu erhalten“. Denkste, teuer war die Unterkunft für Indien zwar, aber auch sehr feucht und echt kalt. Es muffelte vor allem schon wieder nach verfaulten Matratzen! Da wir nachts selbst froren und gerade Thea häufiger zudecken mussten, war an Tiefschlaf nicht wirklich zu denken. Also weitere Flucht nach Mysore, wo wir nach einer langen, warmen Busfahrt leider das erste Hotelzimmer akzeptierten, obwohl es den Charme eines Knastes hatte. Keine Kraft zum Weitersuchen und die Kinder mussten schließlich vor dem Schlafen noch was essen. Frühmorgens dann extrem laute Inder auf dem gekachelten Hotelflur. Als Thea dann unmittelbar nach dem Aufstehen auch noch einen „Ich will aber selbst…“ Weinanfall anfing, war es mal wieder mit Rolfs Gelassenheit vorbei. Thea wurde weinend auf den Flur gestellt, die Familie fluchend verwünscht und das muffige Schlaf T-Shirt in die Ecke gefeuert! Dank eines netten Tuk Tuk Fahrers wurden wir aber auf der morgendlich Suche nach einem neuen Zimmer schnell fündig, den Kindern ausgiebig gestattet den Kinderkanal zu gucken und viel Zeit im Bett verbracht und einen Tag angehängt, weil mittlerweile auch Rolf kränkelte. Das reichte an Akkuladung zumindest aus, um sich klar zu werden, dass die innere Einstellung zu Indien korrigiert werden musste. Bislang nur je 1x Spucken der Kinder für nur je 12 h. Ist doch klasse für Indien! Es hätte tagelanger Durchfall sein können. War es nicht spannend gewesen, im Regenwald Vanilleschoten, Pfefferpflanzen und Kaffee gezeigt zu bekommen. Waren die Kinder nicht extrem tapfer gewesen angesichts der zahlreichen Blutegel an ihren Füßen? Die Sonne am Morgen im Urwald nicht herrlich warm? Indien wieder zu mögen so wie es nun mal ist, ist fast wie eine externe Stromzufuhr. Akku also noch längst nicht wieder voll, aber wir haben schon wieder 2x lange Reisetage bestens überstanden.